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Reisebericht Flüchtlingscamp im Libanon Januar 2017

Kurz über Libanon

Unsere Reise nach Libanon hatte den Zweck einer humanitären Hilfe für die Kriegsflüchtlinge aus Syrien und Palästina. Libanon hatte vor dem Beginn des Krieges vier Millionen Einwohner. Durch die vielen Geflüchteten, die der Krieg verschuldete, wird die Anzahl derzeit auf acht Millionen geschätzt, was dem Staat Libanon eine große Last darstellt. Das Land selbst ist flächenmäßig kleiner als Oberösterreich und nahm in den letzten Jahren bis zu zwei Millionen Flüchtlinge auf. Libanon ist, aufgrund zahlreicher offizieller und informeller Zelt- und Flüchtlingslagern in vielfacher Hinsicht überfordert. Einerseits dadurch, dass das Land selbst politische Instabilität aufgrund verschiedener Konfessionen aufweist, andererseits die wirtschaftlichen und sozialen Bedingungen dieses Landes nicht ausreichend sind, um den Kriegsbetroffenen humanitäre Unterstützung zu leisten. Schlimmer als das wird den Kriegsflüchtlingen das Leben im Libanon erschwert. Die meisten dieser bedürftigen Familien leben oft in Zelten auf der Bekaa-Ebene, die sich sehr Nahe an der syrischen Grenze befindet.

Die Libanonhilfsgruppe aus Wien und Niederösterreich haben sich knapp eine Woche vor der Reise kennengelernt und Alle waren gespannt wie die Lage Vorort sein wird. Die primäre Absicht aller war es die Kriegsbetroffenen Menschen zu besuchen, die humanitären Hilfen aus ganz Österreich zu überreichen und die Problemfelder zu definieren um neue Projekte zu entwickeln.

Als Hilfsgruppe von Rahma Austria besuchten wir mit Partnerorganisationen verschiedene Lagern und Familien, um einige Eindrücke zu gewinnen:

Bekaa-Ebene

Wir fuhren am 3. Jänner 2017 in die Bekaa Ebene, wo eine Million Menschen Zuflucht gefunden haben - viele davon sind Frauen und Kinder - und verteilten in der Zentrale unserer Partnerorganisation „Humanitarian Relief for Development“ an 50 bedürftige Familien aus verschiedenen Flüchtlingslagern Nahrungs-, Hygienepakete und Heizmittel. Diese Hilfsgüter haben wir diesen Familien zu ihren Lagern transportiert. Eine Familie mit zwei kleinen Kindern hat uns Allesamt in ihrem Zelt zum Mittagsessen eingeladen. Der Familienvater berichtete, dass er in Syrien Innenarchitekt war und in Libanon nur schlecht bezahlte Gelegenheitsjobs im Sommer findet. Jedoch im Winter ist, aufgrund des starken Regens und der Schneefälle die Jobsuche eine aussichtslose Sache für jedermann.

Am Nachmittag haben wir 50 Waisenkinder und ihre Mütter in einem Kleidergeschäft empfangen. Diese durften sich ihre Winterkleidung selbst aussuchen, die durch Rahma Austria finanziert wurde. Es wurden auch Spielzeuge, die von den Kindern der Hilfsgruppenteilnehmer mitgeschickt worden waren, an die Waisenkinder verteilt. Die Freude der Mütter und der Kinder waren aus ihren Augen herauszulesen. Traurig machte uns die Lage einer alleinerziehenden Mutter mit vier Kindern. Ihr Mann war verschollen, wobei niemand ihr ein Anhaltspunkt geben konnte wo er war. Sie rechnete jeden Tag mit seiner Todesnachricht. Bei der Auswahl an Kleidung war sie sehr bescheiden. Eine Gruppenteilnehmerin half ihr das neunmonatige Baby zu halten, das sehr krank war und ununterbrochen weinte. Sie kam vor zwei Monaten in Libanon an.

Beirut, Bourj AL Barajneh

Unserer Selbsteinschätzung nach fuhren wir am 4.01.2017 in eines der heruntergekommensten Lage in Beirut. Ein Ort, der ungefähr vor 50 Jahren für palästinensische Flüchtlinge errichtet worden ist. Gleich nach unserer Ankunft fiel uns die schreckliche Infrastruktur der misslungenen „Gebäuden“ am Ort auf. Die Strom- und Wasserleitungen verliefen in den engen Gängen zwischen den Baracken. Laut internen Berichten starben mit der Gründung dieses Camps schon über 100 Menschen durch einen Stromschlag.  Auch hier besuchten wir sechs Familien in ihren Wohneinheiten von 10 m² bis 20 m², um ihnen die Hilfsgüter zu übergeben. Bei unserem Besuch fiel uns besonders die Familie mit fünf kleinen Kindern auf, deren Wohnverhältnisse sehr gravierend waren. Die Wohnung ist dermaßen verschimmelt, feucht, kalt, ohne angemessene Lüftung mit sehr kleinen Fenstern und schlechten Stromleitungen, die oft zum Ausfall kommen und aufgrunddessen die elektrischen Geräte zu Schaden kommen und ruiniert werden. Das sind unter anderem Sorgen vieler Familien dort.

Wie in allen Wohneinheiten dieses Lagers sehen die sogenannten Wohnungen sowohl im Sommer, als auch im Winter kein Tageslicht. Diese Familie zahlt trotz katastrophaler Wohnverhältnisse 310 Dollar monatlich und leben schon seit 8 Monaten in diesem Zustand. Drei von fünf Kindern leiden infolge der schimmelhaltigen Wohnung an Asthma. Die Krankheitskosten überfordern die Familie enorm. In Syrien war der Familienvater ein gutsituierter Händler, der mit seiner Familie vor dem Krieg ein normales Leben führte.

Eine alleinerziehende Mutter mit drei Kindern hatte kürzlich eine Operation an einem ihrer Füße, wobei ihr 2 Zehen abgeschnitten werden mussten. Bei unserem Besuch waren ihre Narben noch sehr frisch und sichtbar. Kaum zu glauben, dass genau diese Familie auf bloßem Boden schlafen musste... Die Decken wurden ihnen kurz vor unserem Besuch von unserer Partnerorganisation bereitgestellt, damit sie uns empfangen können. Die Frau hat vor Monaten ihren Mann krankheitsbedingt verloren und man merkte ihr an, dass sie stark traumatisiert war und nicht alles realisieren konnte.

Weiters fiel uns auf, dass viele Kinder und Frauen keine Socken anhatten, wobei uns unklar war, ob es aus Kostengründen oder kulturell war.

Am Nachmittag trafen wir VertreterInnen der Zentrale von Rahma Austria und verteilten an 60 Familien Decken und Lebensmittelpakete und einige individuelle Geschenke, wie Socken, Süßigkeiten, Handgestrickte Pullis, Hauben, Schals usw...

Im Zentralgebäude von Rahma Austria befindet sich für die Kinder im Bourj Al Barajneh ein englischsprachiger Kindergarten, welcher die Kinder auf das libanesische Schulsystem vorbereiten solle. Im selben Bau gibt es eine Abteilung für die Frauen, wo sie handwerkliche Tätigkeiten erlernen und ihre Kunstwerke zum Verkauf stellen können.

Im ersten Stock zeigte uns ein Arzt eine medizinische Ambulanz mit verschiedenen Abteilungen, worüber er sehr glücklich war, da die Genehmigung dessen ihm erschwert wurde und er dieses erst nach vier Jahren nach Fertigstellung genehmigt wurde. Mit der Unterstützung von Spendern von Rahma Austria und andere Partnerorganisationen wird die Innenausstattung der Ambulanz besorgt.

Tripoli, Al-Baddawi

Am 5. Jänner 2017 Vormittag besuchten wir das Al-Baddawi Flüchtlingslager in Tripoli. Auch dort haben wir an 100 Familien Hilfsgüter verteilt und konnten fünf Familien in ihren Wohnungen einen Besuch abstatten um uns ein eigenes Bild von ihrer aktuellen Situation zu machen. Dieses Lager war viel strukturierter aufgebaut, als die vorherigen Plätze. Ihre Probleme waren dadurch nicht geringer. Eine Familie mit vier Kindern lebte in einem Rohbau ohne Fenster und musste 200 Dollar Miete zahlen, da es nicht leicht ist eine leistbare Wohnung zu finden. Sofort haben wir uns als Gruppe entschlossen die Fenster für diese Wohneinheit unverzüglich einbauen zu lassen. Wir informierten uns, dass ein Fenster 100 Dollar kostet. Für uns wurde nochmals ersichtlich, wie sehr die Leute die aktuelle Notsituation der Menschen überall auf der Welt ausnutzen...

In diesem Camp haben wir sehr viele Menschen und Kinder mit chronischen Krankheiten (vor allem Asthma, Diabetes, Krebs etc.) getroffen. Diese Menschen verfügen über keine Krankenversicherung, daher bereitet ihnen jede Art von medizinischer Behandlung hohe Kosten, die sie ohne humanitäre Unterstützung von NGOs, wie Rahma Austria u.a. nicht finanzieren können.

Rahma Austria unterstützt mithilfe von Partnerorganisationen in vielen Gebieten sowohl lebensnotwendige und medizinische, als auch bildungsfördernde Projekte. Es ist zu erwähnen, dass sogar die Hilfsorganisationen überfordert sind, da einerseits die Anzahl der bedürftigen Menschen zu hoch ist und neue Ankömmlinge weiter dazustoßen, andererseits die offiziellen Rahmenbedingungen für Projekte der bürokratischen Hemmnisse gegenüberstehen.

Schulbusprojekt Januar 2017

Eines der Projekte, die im Jänner 2017 Umsetzung fanden, ist das Schulbusprojekt von Rahma Austria. Die Idee eines Schulbusses kam bei der letzten Fleischverteilaktion zum Opferfest des Jahres 2016/Oktober. Es wurde festgestellt, dass die Kinder die in den Flüchtlingslagern leben, schwer die Schule erreichen können, da die Schulen in einer Entfernung von 6 bis 10 Kilometer weiter weg liegen, die die SchülerInnen teils nur nachmittags besuchen können. Am dritten Januar konnte das in Österreich vorgestellte Schulbusprojekt gestartet werden. Somit kann täglich dank den Spenden der Rahma Austria ÜnterstützerInnen ein Schulbus den SchülerInnen zur Verfügung gestellt werden. Täglich werden 40 Kinder in die Schule gebracht und nach der Schule nach Hause gebracht werden. Aufgrund der hohen Nachfrage aus den unterschiedlichen Lagern, plant Rahma Austria weitere Büsse um den Flüchtlingskindern den Besuch einer Schule zu ermöglichen.

Zusammenfassend

Unser Ziel war es nicht nur die Hilfsgüter den Bedürftigen zu überreichen, sondern gleichzeitig über die Lage der Betroffenen zu berichten. Obwohl wir durch unsere Reise 1620 Menschen und um die 20 Flüchtlingslager erreichen konnten, war es sich nicht ausreichend die Notbedürfnisse aller Kriegsbetroffenen in Libanon zu erfüllen. Denn es gibt nach den Angaben um die 800 Flüchtlingscamps in Libanon. Der Bedarf an innovative Projekte in diesem Land ist enorm wichtig und notwendig, damit keine Spannungen zwischen den Flüchtlingen und allgemein von Armut betroffenen Menschen zu Stande kommt. Einen großen Dank möchten wir an alle Rahma Austria SpenderInnen aussprechen. Wir hoffen, dass durch unser Bericht über diese Hilfsreise noch mehr Menschen motiviert werden ehrenamtliche Tätigkeiten auszuüben und den Bedürftigen finanzielle und emotionale Unterstützung zu leisten.

Mag.a Ayse Akay und Mag.a Serif Obayeri

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